Wir trauern um Hermann „Mano“ Höllenreiner. Der deutsche Sinto und Zeitzeuge ist am 16. Oktober 2026 im Alter von 92 Jahren nach langer Krankheit im Kreis seiner Familie in Mühldorf am Inn gestorben.
„Mano Höllenreiner hat mit großem Mut über das gesprochen, worüber er jahrzehntelang schweigen musste. Dafür sind wir ihm unendlich dankbar. Mit seiner Offenheit hat er die Selbstorganisationen der Sinti und Roma gestärkt und vielen jungen Menschen einen Zugang zu unserer Geschichte eröffnet“, sagt Erich Schneeberger, Vorsitzender des Verbands deutscher Sinti und Roma, Landesverband Bayern e.V.
Mano Höllenreiner kam 1933 zur Welt. Im März 1943 verschleppten die Nationalsozialisten den Neunjährigen gemeinsam mit seiner Familie von München nach Auschwitz-Birkenau. Er überlebte die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück und Sachsenhausen. Weit über 100 Angehörige seiner Familie fielen dem nationalsozialistischen Völkermord zum Opfer.
Wie viele Überlebende schwieg er jahrzehntelang über das Erlebte. Seit 2004 sprach er öffentlich darüber, vor allem mit jungen Menschen. Er engagierte sich in der Erinnerungsarbeit und trat gegen Antiziganismus, Ausgrenzung und das Vergessen ein. Für sein Wirken wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, war Ehrengast im Bayerischen Landtag und begleitete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei dessen Besuch in Auschwitz.
Seine Stimme wird fehlen. Sein Vermächtnis verpflichtet uns, die Erinnerung an den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma wachzuhalten und entschlossen gegen Antiziganismus einzutreten.
Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Else, mit der er 70 Jahre verheiratet war, seinen Kindern und seiner gesamten Familie.
Lesetipp: Anja Tuckermann hat Mano Höllenreiners Lebensgeschichte aufgeschrieben: „Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war“ (Carl Hanser Verlag, 2008; Taschenbuch bei dtv, 2022).
Bild: Mano Höllenreiner (rechts) mit unserem Vorsitzenden Erich Schneeberger.

